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LLM-Regulierung als Frage der Meinungsfreiheit?

Was wäre, wenn die Regulierung von Large Language Models plötzlich nicht mehr nur Technologiepolitik wäre, sondern ein Fall für die Meinungsfreiheit? Dann würde aus einer Debatte über Sicherheit, Haftung und Kontrolle sehr schnell eine Debatte über Grundrechte. Genau hier setzt das Paper von Eugene Volokh, Mark A. Lemley und Peter Henderson an. Die Autoren argumentieren, dass der Output generativer KI rechtlich als geschützte Rede verstanden werden könnte. Nicht unbedingt, weil die KI selbst Rechte hat, sondern weil ihre Entwickler:innen und vor allem ihre Nutzer:innen Rechte haben, Informationen zu empfangen und mit Hilfe der Systeme selbst zu kommunizieren. Für die USA ist das ein starker Gedanke. Für Deutschland ist er interessant, aber deutlich weniger belastbar. Was ist das ökonomische Grundproblem? Im Kern geht es um die Kontrolle von Informationsproduktion. Staaten wollen Risiken von LLMs begrenzen: Desinformation, Manipulation, Diskriminierung oder gefährliche Inhalte....

Wirtschaft studieren: Lohnt sich das?

Zum (Mehr-) Wert von Wirtschaftswissenschaften: Das ist genau die Frage, die mehrere Wissenschaftlicher untersucht haben. Im Artikel " Will Studying Economics Make You Rich? A Regression Discontinuity Analysis of the Returns to College Major. ” von Zachary Bleemer und Aashish Mehta in der renommierten Zeitschrift  American Economic Journal: Applied Economics , 14(2):1-22 (Paywall) gehen die Autoren der Frage, ob Menschen durch das Studium von Wirtschaftswissenschaften mehr Einkommen in ihrem Leben verdienen als sehr ähnliche Menschen, die nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben . Die Antwort auf die Frage ist: ja, es lohnt sich. Die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften verdienen gleich zu Beginn ihrer Kariere 22000 $ (43%) mehr als ihre sehr ähnliche Kommilitonen, die nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben. Quelle: Die Abb. ist aus der Arbeit Bleemer/Mehta (2022) entnommen.   Die Autoren haben eine sehr clevere...

Ungleichheit und Einkommensdynamik in Deutschland

Eine unglaublich interessante und aufwendig durchgeführte empirische Arbeit  von Moritz Drechsel-Grau, Andreas Peichl, Johannes F. Schmieder, Kai D. Schmid, Hannes Walz, und Stefanie Wolter. Die Autor*innen kombinieren zwei Datenquellen (1. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung  und 2. Steuerzahlerpanel ) in einer cleveren Weise. Ihr Anhang D ist sehr aufschlussreich, wie Daten unterschiedlicher Quellen kombiniert werden (können). Durch die Kombination der Daten gelingt es den Autor*innen, eine gute Annäherung über die Verteilung der Jahreseinkommen in Deutschland zu zeichnen, die vorher aufgrund der Begrenztheit der Daten aus den jeweiligen Quellen (daher die Kombination) nicht möglich war. Die Autoren zeigen sehr interessante empirische Befunde.   In der nächsten Abbildung (Figure 2 aus ihrer Arbeit) ist die Verteilung der Einkommen von Männern (Abb. (A)) und Frauen (Abb. (B)) für die Jahre 2001, 2008 und 2016 (jeweils in den Preisen ...

Analyse einer Zusatzsteuer auf russische Ölimporte

In meinem Blogbeitrag habe ich den Nutzen von Wirtschaftswisenschaften dargelegt. Aus meiner Sicht ist ihr Nutzen vor allem in der Analyse der anreizbasierten Gestaltung von Marktmechanismen gegeben. Im heutigen Blogbeitrag gehe ich auf diesen Punkt näher ein und erläutere die Wirkungsanalyse am Beispiel einer Einfühung einer Zusatzsteuer für bestimmte Produkten ein. Aus dem aktuellen Anlass erläutere ich die Wirkungen am Beispiel einer Zusatzsteuer für russische Ölimprote; Ölimporte anderer Länder blieben von einer solchen Zusatzsteuer verschont. Wenn Ökonomen über Wirkungen von Steuern reden, fragen sie sich zuerst: wer zahlt die Steuern tatsächlich? Ökonomen sprechen von einer Steuerinzidenzanalyse. Auf den ersten Blick muss eine Steuer auf ein Gut dessen Preis erhöhen und Energie für westliche Verbraucher noch teurer machen. Richtig? Falsch! Eine Steuer auf ein Gut, wie z. B. russisches Öl, wirkt sich sowohl auf das Angebot als auch auf die Nachfrage aus und verändert den Preis de...

Welchen (Mehr-)Wert liefern die Wirtschaftswissenschaften?

Nach meinem Vortrag im Haus der Wissenschaften über den Umgang mit Fehlern mit Entscheidung bei der Kapitalanlage hatte ich eine anregende Diskussion mit den Teilnehmer*innen. Eine Frage hat mich allerdings unvorbereitet getroffen, über die ich im Anschluss länger nachgedacht habe. Die Frage war: „Wozu gibt es eigentlich Wirtschaftswissenschaften“? Darum geht es also heute: Was ist also der Mehrwert der Ökonomie?  Ich stelle mir die Ökonomie als eine Denkschule vor. Das Ziel der Denkschule ist es, die Wirtschaftstransaktionen zwischen den Menschen in einer Ökonomie modellhaft zu beschreiben. Warum entscheidet ein Mensch eine Schokolade zu kaufen? Wird durch die Schokolade ihr Nutzen gesteigert? Ist es wirklich nur das Geld oder sind es (auch) andere Gründe, die uns motivieren? Und was passiert, wenn sehr viele Menschen untereinander handeln und dadurch ein Markt entsteht?  Warum schreibe ich, Ökonomie sei eine Denkschule? ...

Folgt Inflation auf die COVID-19-Krise?

Die gegenwärtige COVID-19-Krise und die Reaktion der Staaten zur Unterstützung der Wirtschaft haben zu einem Anstieg der Verbindlichkeiten geführt. Holger Sandte und Adalbert Winkler (Die Mär von der Belastung der jungen Generation) [Link: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-06/staatsverschuldung-konjunkturpaket-junge-generation-belastung] weisen in ihrem Beitrag zurecht hin, dass es neben den Verbindlichkeiten auch Forderungen entstehen, die im gleichen Ausmaß angestiegen sind. Einen Punkt beleuchten die Autoren nur kurz: Wie sollen die Regierungen und Staaten diese zusätzlichen Verbindlichkeiten eigentlich zurückzahlen? 

Wie investiert man in Nachhaltigkeit? Entscheidungsprozess von ESG-Investorinnen

Amel-Zadeh und Serafeim (2018)   haben eine interessante Gruppierung vorgenommen, wie Institutionen die Entscheidung treffen, in nachhaltige Anlagen (nachfolgend: ESG-Anlagen) zu investieren. ESG-Investorinnen beachten die Dimensionen Umwelt (Enviroment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) bei der Auswahl von Investments. Aus meiner Sicht lässt sich diese Gruppierung auch auf private Investorinnen übertragen.   Bei der Auswahl von ESG-Anlagen lassen sich vier Handlungsstrategien identifizieren. Die erste Strategie beingaltet die sog. Screenings, mit den eine Einschränkung des Anlageuniversums vorgenommen wird. Das Screening kann auf drei Arten erfolgen: Negatives Screening: Das Herausfiltern von unerünschten Anlagen ist vermutlich der direkteste Weg, ESG-Ziele zu erreichen. Dabei werden Anlagen aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen bzw. aussortiert, die aus bestimmten Branchen (z.B. Gambling, Tabak, Waffen) oder Regionen (z.B. Südafrika während des A...

Lohnen sich nachhaltige Investments auch in der Krise?

Die Performance von deutschen Unternehmen mit ESG-Scores im Top-Quartil hat sich im Vergleich zu einem Investment in den DAX seit Ausbruch der Corona-Pandemie positiv entwickelt. ESG-Score ist eine Kennzahl, mit der Unternehmen nach “Environment, Social and good Governance”-Kriterien (höhere Scores sind besser) bewertet werden. Abb. 1.: Performancevergleich von DAX vs. ESG-Portfolien in der Corona-Krise Die Abb. 1 stellt zwei kurzfristige Performancevergleiche seit dem 1.3.2020 dar. Das Startdatum habe ich gewählt, weil das Robert-Koch-Institut ca. in der 11. Woche mit großflächigen Corona-Tests in Deutschland begonnen hatte. Daher nehme ich an, dass den Investoren in diesem Zeitraum die ökonomische Dimension von SARS-CoV-2 bewusst wurde. Die Unternehmen sind in beiden Vergleichen in je 11 Portfolios, je nach einem Aspekt der Nachhaltigkeit, zusammengefast. In der oberen Abbildung ist die Performance vom DAX (grün) und Portfolios von Unternehmen mit ESG-Scores aus dem ob...