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Showing posts with the label Behavioral Economics

LLM-Regulierung als Frage der Meinungsfreiheit?

Was wäre, wenn die Regulierung von Large Language Models plötzlich nicht mehr nur Technologiepolitik wäre, sondern ein Fall für die Meinungsfreiheit? Dann würde aus einer Debatte über Sicherheit, Haftung und Kontrolle sehr schnell eine Debatte über Grundrechte. Genau hier setzt das Paper von Eugene Volokh, Mark A. Lemley und Peter Henderson an. Die Autoren argumentieren, dass der Output generativer KI rechtlich als geschützte Rede verstanden werden könnte. Nicht unbedingt, weil die KI selbst Rechte hat, sondern weil ihre Entwickler:innen und vor allem ihre Nutzer:innen Rechte haben, Informationen zu empfangen und mit Hilfe der Systeme selbst zu kommunizieren. Für die USA ist das ein starker Gedanke. Für Deutschland ist er interessant, aber deutlich weniger belastbar. Was ist das ökonomische Grundproblem? Im Kern geht es um die Kontrolle von Informationsproduktion. Staaten wollen Risiken von LLMs begrenzen: Desinformation, Manipulation, Diskriminierung oder gefährliche Inhalte....

Behavioral Finance & ESG: meine zweite Folge im „Bremer Börsenschnack“

Über Denkfehler von Anlegern, nachhaltige Geldanlage und gute Fragen im Podcast. In der zweiten Folge meiner Podcast-Reihe im Bremer Börsenschnack ging es um zwei Themen, die für Anlegerinnen und Anleger heute besonders relevant sind: Behavioral Finance und Sustainable Finance (ESG) . Gemeinsam mit den hervorragend vorbereiteten Hosts Patrick Paech und Sascha Otto haben wir darüber gesprochen, warum Anleger oft nicht rational handeln, welche Denkfehler immer wieder auftreten, und wie man sich mit einfachen Regeln selbst austricksen kann. Im zweiten Teil der Folge stand ESG im Fokus: Wie stark beeinflussen Nachhaltigkeitskriterien tatsächlich Bewertungen und Anlageentscheidungen? Wo liegen Chancen, wo Risiken und wo beginnt Greenwashing? Auch die Frage nach möglichen Renditenachteilen nachhaltiger Investments wurde aus wissenschaftlicher Sicht eingeordnet. Besonders angenehm war erneu...

Under (Financial) Pressure – Was die NFL über Finanzmärkte lehrt

Manchmal findet man spannende ökonomische Einsichten an Orten, wo man sie nicht erwartet. Das neue Paper “Under (Financial) Pressure” von Spencer Barnes, Ted Dischman und Brandon Mendez untersucht, wie finanzielle Anreize Regeln verzerren können und zwar am Beispiel der NFL-Schiedsrichter. Die Idee Die NFL ist ein Milliardenbusiness: 2024 setzte die Liga ca. 23 Mrd. US-Dollar um. Es ist vergleichbar mit Konzernen wie Bayer und SAP. Die Forscher fragen: Beeinflusst dieser finanzielle Druck, wie Schiedsrichter Entscheidungen treffen? Das ist im Kern die gleiche Frage, die wir uns in der Finanzökonomie stellen: Begünstigen Regulatoren große, systemrelevante Player, weil zu viel Geld und Aufmerksamkeit auf dem Spiel stehen? Die Methodik: Ökonometrie im Sport Die Autoren analysieren über 13.000 Defensivstrafen aus NFL-Spielen zwischen 2015 und 2023. Besonderes Augenmerk liegt auf den Kansas City Chiefs in der Ära von Quarterback Patrick Mahomes. Warum? Weil die Chiefs ...

Brauchen wir wirklich Besitz, um Dinge wertzuschätzen?

Warum zahlen wir für „unsere“ Kaffeetasse mehr als für die gleiche Tasse im Regal? Dieses Phänomen nennt sich Endowment-Effekt: Sobald wir etwas besitzen, steigt sein Wert in unseren Augen. Die klassische Erklärung: Verlustangst. Wer etwas hat, fürchtet den Schmerz, es wieder herzugeben und zwar stärker, als er die Freude am Gewinn empfindet. Doch neuere Studien zeigen: Es reicht schon, das Gefühl von Besitz zu haben, auch ohne echtes Eigentum. Allein das kurze Anfassen oder die Vorstellung, etwas gehöre einem, macht es wertvoller. Psychologen sprechen hier von psychologischem Eigentum . Ein Experiment macht das deutlich: Nicht-Besitzer waren bereit, nur rund $2,47 für eine Tasse zu zahlen. Besitzer-Verkäufer verlangten dagegen im Schnitt $4,26. Besitzer-Käufer, die bereits eine Tasse hatten und eine zweite kaufen sollten, boten im Schnitt $4,52. D.h. genauso viel wie Verkäufer! Besitz, oder besser gesagt das Gefühl davon, hebt den Wert also deutlich. Qu...

Wie können Organisationen Entscheidungen richtig treffen? Daniel Kahneman, Entscheidungsanomalien und Noise

Daniel Kahneman hat für seine bahnbrechenden Arbeiten über die Entscheidungsanomalien   (‚Biases‘) den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. In seinen Arbeiten hat er sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie sich die Menschen tatsächlich in Entscheidungssituationen verhalten. Sein Themengebiet sind 'Behavioral Economics', also 'Verhaltensökonomik'. Dabei hat er festgestellt, dass fast alle Menschen sich nicht so verhalten, wie es die klassische ökonomische Theorie annimmt. Wir lassen uns alle sehr leicht beeinflussen, etwa durch Werbung. Wir treffen nicht konsistente Entscheidungen, z.B. viele Befragte finden 90% Beschäftigungsquote besser als 10% Arbeitslosenquote. Wichtige Reflexe in der Frühzeit der Menschheit verführen uns heute, falsche Entscheidungen vor allem in Bezug auf Geldfragen zu treffen. Beispielsweise blenden viele Menschen die Risiken aus, wenn hohe Renditen versprochen werden (‚Gier frisst Hirn‘). Eine exzellente E...