Skip to main content

Posts

Kaisalität ≠ Variation: Warum Kausalität nicht automatisch Relevanz bedeutet

In der empirischen Ökonomie ist eine „saubere Identifikation“ oft maßgebend: Instrumentalvariablen, Difference-in-Differences, Randomized Controlled Trials. Das ist gut und wichtig, aber nur weil ein Effekt kausal ist, erklärt er noch nicht viel von der beobachteten Variation. Viele identifizierte Effekte sind real, aber klein im Vergleich zu den großen Bewegungen in Beschäftigung, Einkommen oder Aktienkursen. Das Lehrstück Saubere Kausalität isoliert exogene aber häufig sehr geringe, Schwankungen (z. B. über Instrumente, Fixed Effects, Grenzfälle). Das liefert eine glaubwürdige Ursache-Wirkung-Aussage, aber der Preis ist, dass wir viel Variation wegwerfen. Ergebnis: Der Effekt ist kausal richtig, erklärt aber oft nur einen kleinen Teil des Gesamtbilds. Genau diese Trennung von kausal und relevant ist die zentrale Pointe dieses Beitrags. Paradoxon der Kausaliät Je strenger wir Identifikation betreiben, d...
Recent posts

Behavioral Finance & ESG: meine zweite Folge im „Bremer Börsenschnack“

Über Denkfehler von Anlegern, nachhaltige Geldanlage und gute Fragen im Podcast. In der zweiten Folge meiner Podcast-Reihe im Bremer Börsenschnack ging es um zwei Themen, die für Anlegerinnen und Anleger heute besonders relevant sind: Behavioral Finance und Sustainable Finance (ESG) . Gemeinsam mit den hervorragend vorbereiteten Hosts Patrick Paech und Sascha Otto haben wir darüber gesprochen, warum Anleger oft nicht rational handeln, welche Denkfehler immer wieder auftreten, und wie man sich mit einfachen Regeln selbst austricksen kann. Im zweiten Teil der Folge stand ESG im Fokus: Wie stark beeinflussen Nachhaltigkeitskriterien tatsächlich Bewertungen und Anlageentscheidungen? Wo liegen Chancen, wo Risiken und wo beginnt Greenwashing? Auch die Frage nach möglichen Renditenachteilen nachhaltiger Investments wurde aus wissenschaftlicher Sicht eingeordnet. Besonders angenehm war erneu...

Weihnachtstage

Allen, die Weinachten feiern, wünsche ich fröhliche und besinnliche Feiertage! Möge diese Zeit des Zusammenseins und der Freude Euch Wärme, Frieden und Ernolung bringen.

Neu erschienen: „Kryptowährungen und Token“ (Hrsg. Omlor/Link) – und unser Beitrag ist dabei!

Der neue Herausgeberband „Kryptowährungen und Token“ (3. Auflage) ist frisch erschienen und unser Beitrag ist ebenfalls mit drin. Das Buch bietet einen fundierten, interdisziplinären Überblick zu rechtlichen, ökonomischen und steuerlichen Fragen rund um Kryptoassets, Blockchain und Token-Ökonomie. Self-recommended für alle, die sich ernsthaft für Kryptowährungen interessieren: aus Wissenschaft, Praxis oder einfach aus Neugier. Links: Zum Verlag (RuW / Fachmedien Recht und Wirtschaft) Bei Amazon ansehen Happy reading!
Warum Märkte Wartung brauchen Wir Ökonom:innen lieben Effizienz. Doch Systeme, die lange effizient bleiben sollen, brauchen Pflege. Das gilt für Maschinen – und für Märkte. In den letzten Jahrzehnten haben Unternehmer:innen, Innovator:innen und viele von uns aus der Wissenschaft den Motor des Fortschritts am Laufen gehalten, aber das Fundament, auf dem dieser Motor steht, vernachlässigt. Das unsichtbare Gerüst des Wohlstands Ein freiheitliches Gemeinwesen ruht auf einer unsichtbaren Infrastruktur: Eigentumsrechte, Vertragssicherheit, Wettbewerb, offene Kommunikation. Diese Strukturen sind kein Naturzustand – sie sind gebaut, gepflegt und gelegentlich erneuert worden. In der Nachkriegszeit erinnerten akademische Vordenker wie Walter Eucken, Wilhelm Röpke und Friedrich Hayek: Märkte sind empfindliche soziale Gebilde. Die Freiburger Schule entwickelte die Ordnungspolitik – ein Rahmen, der Wettbewerb schützt, ohne ihn zu dirigieren. Die Österreichische Schule ...

Akademisches Humankapital in Europa zwischen 1200 und 1793

Kann man messen, wie viel „Wissen“ eine Gesellschaft in der Vormoderne besaß? Und wenn ja: Trägt dieses Wissen dazu bei, dass manche Regionen aufsteigen und andere zurückfallen? Genau diese Fragen untersuchen Matthew Curtis, David de la Croix, Filippo Manfredini und Mara Vitale in ihrem LIDAM Discussion Paper 2025/12 . Methodischer Ansatz Die Methode ist ebenso originell wie clever: Statt spärlicher Lohnreihen oder eingeschränkter Einschreibungslisten nutzen die Autoren bibliographische Datenbanken (VIAF) und Wikipeadia-Einträge, um die „Sichtbarkeit“ einzelner Gelehrter zu erfassen. Aus neun Variablen, z. B. Anzahl der Publikationen, Vielfalt der Verlage oder Länge des Wikipedia-Artikels, wird ein Human Capital Index (HCI) konstruiert. Mathematisch geschieht das per Principal Component Analysis, sodass aus vielen Indikatoren ein Gesamtwert entsteht. Durch eine besondere Transformation werden „Superstars“ wie Erasmus oder Newton abgefedert, damit sie den Rest nicht domi...

Kapitalmarkttheorien lebendig erklärt – mein Auftritt im „Bremer Börsenschnack“

Ein praxisnahes Gespräch über Portfoliotheorie, CAPM, Markteffizienz & Fama/French und was das für Anleger bedeutet. Im Podcast Bremer Börsenschnack habe ich gemeinsam mit Sascha Otto die großen Kapitalmarkttheorien diskutiert: von Markowitz’ Portfoliotheorie (1952) über das CAPM und die Markteffizienzhypothese bis hin zum Fama/French-Dreifaktorenmodell. Klingt zunächst nach Uni-Stoff, ist in Wahrheit aber hochaktuell für Anlegerinnen und Anleger: Risiko & Rendite: zwei Seiten derselben Medaille. Anomalien & Faktoren: Value, Size, Momentum & Co. helfen, Portfolios besser zu verstehen. Praxisnutzen: Wie man heute ein „gutes Portfolio“ konstruiert: diszipliniert, diversifiziert, kosteneffizient. Besonders spannend: Wie relevant diese Modelle heute noch sind und welche Konsequenzen sich daraus ganz konkret für Anlegerinnen und Anleger ergeben. Danke an Patrick Pae...