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Der Beamtenstatus für Professoren – Privileg oder notwendige Institution?

Kaum ein Thema elektrisiert so zuverlässig wie der Beamtenstatus für Professorinnen und Professoren. Lebenszeitverbeamtung, sichere Pension, faktische Unkündbarkeit [ Link , Link , Link ]. Das klingt nach einem Relikt aus einer anderen Zeit. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen stellt sich daher die Frage: Ist das noch gerechtfertigt? Die ökonomische Antwort ist weniger eindeutig, als viele vermuten. Der Beamtenstatus ist kein Zufall. Er erfüllt eine Funktion. Erstens schützt er die Wissenschaftsfreiheit. Artikel 5 Grundgesetz garantiert die Freiheit von Forschung und Lehre. Diese Freiheit ist nur glaubwürdig, wenn Professoren nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, sobald ihre Forschung politisch unbequem wird. Der Beamtenstatus ist hier ein institutionelles Commitment des Staates: Er bindet sich selbst. Zweitens geht es um langfristige Humankapitalinvestitionen. Eine Professur ist das Ergebnis von 15 bis 20 Jahren Ausbildung und Spezialisierung. Der Staat sichert sich dieses ho...
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Citrini Research: KI, Nachfrage und systemisches Risiko

Die „Global Intelligence Crisis" von Citrini Research entwirft ein drastisches Szenario: massive White-Collar-Verdrängung durch KI, kollabierende Nachfrage, Finanzbeschleuniger über Private Credit und Hypothekenmärkte und schließlich eine systemische Rezession. Dieser Beitrag formalisiert die Kanäle explizit – und identifiziert die Parameterrestriktionen, unter denen das Szenario überhaupt eintreten kann. Motivation Alex Imas hat gezeigt, dass fortgeschrittene Automatisierung unter bestimmten, extremen Annahmen tatsächlich ein negatives Wirtschaftswachstum trotz steigender technologischer Möglichkeiten erzeugen kann – hält aber fest: „[...] that the conditions needed for growth to actually turn negative are likely too unrealistic to hold in practice." Noah Smith argumentiert ähnlich: Derartige Narrative können makroökonomisch überzogen sein. Er weist zudem darauf hin, dass Citrinis Analyse keine expliziten Modelle vorschlägt....

Weniger Schätzen, besser Tracken: Wie charakteristikabasierte Modelle Indexfonds verbessern

Indexfonds gelten als simpel. Doch wer einen Index wie den S&P 500 oder den STOXX Europe 600 mit nur 20, 40 oder 100 Titeln nachbilden möchte, steht vor einer anspruchsvollen Optimierungsaufgabe. Unser neuer Beitrag in der European Journal of Operational Research zeigt: Das Hauptproblem im Index-Tracking ist nicht die Optimierung selbst, sondern der Schätzfehler. Traditionelle Tracking-Ansätze basieren auf historischen Renditen oder geschätzten Faktorladungen aus Zeitreihenmodellen. Beide Ansätze benötigen viele Parameter und viele Parameter bedeuten viele Schätzfehler. Optimierungsmodelle tendieren dazu, diese Fehler systematisch zu verstärken. Das Resultat: Gute In-Sample-Performance, aber schwache Out-of-Sample-Ergebnisse. Statt geschätzter Faktorladungen verwenden wir beobachtbare Unternehmenscharakteristika als Risikopositionen: Größe Bewertung (Value) Profitabilität Investition Momentum Markt-Beta Diese werden in ein kardinalitätsbeschränktes Mixed-Integ...

Kaisalität ≠ Variation: Warum Kausalität nicht automatisch Relevanz bedeutet

In der empirischen Ökonomie ist eine „saubere Identifikation“ oft maßgebend: Instrumentalvariablen, Difference-in-Differences, Randomized Controlled Trials. Das ist gut und wichtig, aber nur weil ein Effekt kausal ist, erklärt er noch nicht viel von der beobachteten Variation. Viele identifizierte Effekte sind real, aber klein im Vergleich zu den großen Bewegungen in Beschäftigung, Einkommen oder Aktienkursen. Das Lehrstück Saubere Kausalität isoliert exogene aber häufig sehr geringe, Schwankungen (z. B. über Instrumente, Fixed Effects, Grenzfälle). Das liefert eine glaubwürdige Ursache-Wirkung-Aussage, aber der Preis ist, dass wir viel Variation wegwerfen. Ergebnis: Der Effekt ist kausal richtig, erklärt aber oft nur einen kleinen Teil des Gesamtbilds. Genau diese Trennung von kausal und relevant ist die zentrale Pointe dieses Beitrags. Paradoxon der Kausaliät Je strenger wir Identifikation betreiben, d...

Behavioral Finance & ESG: meine zweite Folge im „Bremer Börsenschnack“

Über Denkfehler von Anlegern, nachhaltige Geldanlage und gute Fragen im Podcast. In der zweiten Folge meiner Podcast-Reihe im Bremer Börsenschnack ging es um zwei Themen, die für Anlegerinnen und Anleger heute besonders relevant sind: Behavioral Finance und Sustainable Finance (ESG) . Gemeinsam mit den hervorragend vorbereiteten Hosts Patrick Paech und Sascha Otto haben wir darüber gesprochen, warum Anleger oft nicht rational handeln, welche Denkfehler immer wieder auftreten, und wie man sich mit einfachen Regeln selbst austricksen kann. Im zweiten Teil der Folge stand ESG im Fokus: Wie stark beeinflussen Nachhaltigkeitskriterien tatsächlich Bewertungen und Anlageentscheidungen? Wo liegen Chancen, wo Risiken und wo beginnt Greenwashing? Auch die Frage nach möglichen Renditenachteilen nachhaltiger Investments wurde aus wissenschaftlicher Sicht eingeordnet. Besonders angenehm war erneu...

Weihnachtstage

Allen, die Weinachten feiern, wünsche ich fröhliche und besinnliche Feiertage! Möge diese Zeit des Zusammenseins und der Freude Euch Wärme, Frieden und Ernolung bringen.

Neu erschienen: „Kryptowährungen und Token“ (Hrsg. Omlor/Link) – und unser Beitrag ist dabei!

Der neue Herausgeberband „Kryptowährungen und Token“ (3. Auflage) ist frisch erschienen und unser Beitrag ist ebenfalls mit drin. Das Buch bietet einen fundierten, interdisziplinären Überblick zu rechtlichen, ökonomischen und steuerlichen Fragen rund um Kryptoassets, Blockchain und Token-Ökonomie. Self-recommended für alle, die sich ernsthaft für Kryptowährungen interessieren: aus Wissenschaft, Praxis oder einfach aus Neugier. Links: Zum Verlag (RuW / Fachmedien Recht und Wirtschaft) Bei Amazon ansehen Happy reading!