In meinem früheren Beitrag habe ich versucht, das viel diskutierte Szenario aus dem Citrini Research Paper modelltheoretisch einzuordnen. Dort wird ein möglicher KI-bedingter Wirtschaftskollaps skizziert, allerdings ohne ein explizites makroökonomisches Modell. Um diese Argumentation analytisch greifbar zu machen, habe ich in meinem Beitrag ein einfaches makroökonomisches Rahmenmodell formuliert. Dieses zeigt: Unter bestimmten, allerdings sehr extremen, Parameterkonstellationen kann selbst ein positiver KI-Produktivitätsschock zu einem Rückgang des realisierten Outputs führen. Der zugrunde liegende Mechanismus basiert auf einer Kombination aus einem starken Rückgang des Arbeitsanteils am Einkommen, heterogenen marginalen Konsumneigungen der Haushalte, sowie möglichen Finanzverstärkungsmechanismen. Meine eigene Einschätzung ist allerdings: Solche Parameterkonstellationen sind theoretisch möglich, aber empirisch sehr unwahrscheinlich. Der Wert eines solchen Modells liegt nicht darin, ei...
Kaum ein Thema elektrisiert so zuverlässig wie der Beamtenstatus für Professorinnen und Professoren. Lebenszeitverbeamtung, sichere Pension, faktische Unkündbarkeit [ Link , Link , Link ]. Das klingt nach einem Relikt aus einer anderen Zeit. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen stellt sich daher die Frage: Ist das noch gerechtfertigt? Die ökonomische Antwort ist weniger eindeutig, als viele vermuten. Der Beamtenstatus ist kein Zufall. Er erfüllt eine Funktion. Erstens schützt er die Wissenschaftsfreiheit. Artikel 5 Grundgesetz garantiert die Freiheit von Forschung und Lehre. Diese Freiheit ist nur glaubwürdig, wenn Professoren nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, sobald ihre Forschung politisch unbequem wird. Der Beamtenstatus ist hier ein institutionelles Commitment des Staates: Er bindet sich selbst. Zweitens geht es um langfristige Humankapitalinvestitionen. Eine Professur ist das Ergebnis von 15 bis 20 Jahren Ausbildung und Spezialisierung. Der Staat sichert sich dieses ho...