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Showing posts with the label Commentary

LLM-Regulierung als Frage der Meinungsfreiheit?

Was wäre, wenn die Regulierung von Large Language Models plötzlich nicht mehr nur Technologiepolitik wäre, sondern ein Fall für die Meinungsfreiheit? Dann würde aus einer Debatte über Sicherheit, Haftung und Kontrolle sehr schnell eine Debatte über Grundrechte. Genau hier setzt das Paper von Eugene Volokh, Mark A. Lemley und Peter Henderson an. Die Autoren argumentieren, dass der Output generativer KI rechtlich als geschützte Rede verstanden werden könnte. Nicht unbedingt, weil die KI selbst Rechte hat, sondern weil ihre Entwickler:innen und vor allem ihre Nutzer:innen Rechte haben, Informationen zu empfangen und mit Hilfe der Systeme selbst zu kommunizieren. Für die USA ist das ein starker Gedanke. Für Deutschland ist er interessant, aber deutlich weniger belastbar. Was ist das ökonomische Grundproblem? Im Kern geht es um die Kontrolle von Informationsproduktion. Staaten wollen Risiken von LLMs begrenzen: Desinformation, Manipulation, Diskriminierung oder gefährliche Inhalte....

Sphere of Influence

Im laufenden Semester bin ich Gastprofessor (Adjunct Professor) in Cincinnati, OH, USA . Die Stadt ist fabelhaft und meiner Meinung nach definitiv einen Besuch wert. Über die Uni hatte ich die Gelegenheit, (wieder einmal) einen Vortrag von Stephen Kotkin von der Princeton University zu besuchen. Das Generalthema des Vortrages war 'sphere of influence'. Dem Inhalt seines Vortrages stimme ich absolut zu. Neben vielen interessanten Einsichten und sehr, sehr viel Detailwissen haben mich am meisten die folgenden Punkte bewegt: Allen geht es gut, aber alle klagen. Das scheint ein weiterverbreitetes Phänomen in den entwickelten Industrienationen zu sein. Warum ist so? Kotkin diskutiert diesen Punkt lange und bietet mehrere Thesen an; u.a. schlägt er auch vor, dass es vielleicht nicht allen gut geht. Er bringt das persönliche Beispiel seines Vaters an, der ohne Uni-Ausbildung und als Arbeiter sich ein Haus leisten konnte. Nach Kotkin ist derartiges heute in den USA nicht mehr mögl...

Wie können Organisationen Entscheidungen richtig treffen? Daniel Kahneman, Entscheidungsanomalien und Noise

Daniel Kahneman hat für seine bahnbrechenden Arbeiten über die Entscheidungsanomalien   (‚Biases‘) den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. In seinen Arbeiten hat er sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie sich die Menschen tatsächlich in Entscheidungssituationen verhalten. Sein Themengebiet sind 'Behavioral Economics', also 'Verhaltensökonomik'. Dabei hat er festgestellt, dass fast alle Menschen sich nicht so verhalten, wie es die klassische ökonomische Theorie annimmt. Wir lassen uns alle sehr leicht beeinflussen, etwa durch Werbung. Wir treffen nicht konsistente Entscheidungen, z.B. viele Befragte finden 90% Beschäftigungsquote besser als 10% Arbeitslosenquote. Wichtige Reflexe in der Frühzeit der Menschheit verführen uns heute, falsche Entscheidungen vor allem in Bezug auf Geldfragen zu treffen. Beispielsweise blenden viele Menschen die Risiken aus, wenn hohe Renditen versprochen werden (‚Gier frisst Hirn‘). Eine exzellente E...

Mehr Jüngere = höhere Aktienkurse?

In letzter Zeit forsche ich wieder verstärkt im Bereich Asset Pricing. Bei der Lektüre der (makroökonomischen) Marktmodelle habe ich häufiger Arbeiten über Lebenszyklusmodelle gelesen. Bei den Volkwirten sind die Lebenszyklusmodelle beliebt, weil sie eine dynamische Modellierung einer Ökonomie mit mehreren Generationen erlauben. Ein Teil dieser Modelle bezieht sich auf das Sparverhalten der Individuen. Nach einem zentralen Ergebnis dieser Modelle sparen die Individuen in ihrem jeweiligen mittleren Alter, um im Alter (in der Rente) zu konsumieren.  Es liegt nahe, den Gedanken des Sparens in Bezug auf den Aktienmarkt zu setzen. Damit ist (scheinbar) ein Link zwischen der demografischen Struktur eines Landes und der Entwicklung des jeweiligen Aktienmarktes gegeben, wie es z.B. Amid Goya l beschreibt. Für eine hervorragende, kritische Literaturübersicht verweise ich auf die Arbeit von Zheng Liu und Mark Spiegel . In einer Volkswirtschaft mit vergleichsweise vielen Mid-Agers (Pe...

Felber und die Gemeinwohlökonomie

Am 12.4. habe ich einen Vortrag von Christian Felber bei uns an der SiB zur Gemeinwohlökonomie gehört.  Ich habe vorher seine Werke nicht gelesen und seine anderen Vorträge nicht gehört. Er scheint mir ein politischer Aktivist zu sein, der seine Ideen und sich sehr clever für eine gute Sache vermarktet, die die meisten Menschen (mich inklusive) gut finden werden.  Da er eine neue, auf Gemeinwohl ausgerichtete Ökonomie vorschlägt, kam er selber nicht umhin, die traditionelle Ökonomie zu kritisieren. An seiner Stelle hätte ich darauf verzichtet oder die Kritik wissenschaftlich untermauert. Seine Kritik scheint mir wissenschaftlich ohne Substanz zu sein, da er nur ein sehr verzerrtes Bild der traditionellen ökonomischen Theorie in dem Vortrag zeichnete. Das Zerrbild der traditionellen ökonomischen Theorie hält keiner Überprüfung stand. Beispiele gefällig? Hier drei, die mir besonders aufgefallen sind: 

Was ist der wichtigste Finanzmarkt?

Angesichts der täglichen Berichtserstattung in TV und Zeitungen über steigende oder fallende Aktienkurse könnte der Eindruck entstehen, es handelt sich um einen sehr wichtigen Markt. Doch wie bedeutend ist der Aktienmarkt wirklich? Funktionen von Finanzmärkten Als Erstes ist zu klären, wozu der Aktienmarkt eigentlich dient. Der Aktienmarkt hat verschiedene Funktionen, von denen wir hier nur zwei betrachten: Finanzierungsfunktion: Unternehmen benötigen Kapital um Investitionen durchzuführen, z.B. um einen neuen Standort zu eröffnen. Hierzu können sie Aktien (sog. 'junge Aktien') ausgeben, die von Investoren gekauft werden. Durch diese Kapitalerhöhung erhalten die Unternehmen Geld, mit dem sie die geplanten Investitionen durchführen. Transformationsfunktionen: Die Investoren, die die Aktien gekauft haben, helfen dem Unternehmen, die Risiken der Investition auf viele Schulter zu verteilen (Risikoteilung). Die Investoren sind dabei durch erwartete Gewinne des Unternehmens aus...

Ist der Freihandel gut? Und für wen?

Vor Kurzem habe ich eine Vortragsreihe besucht, die von unserer  Fakultät an der HSB für und mit Studierenden  organisiert  wurde. Dort waren auch die angekündigten Zölle der USA auf Stahl und Aluminium ein kontrovers diskutiertes Thema. Es  überraschte mich zum wiederholten Mal, wie gering die Verbreitung der jahrhunderte-alten und immer noch aktuellen Ergebnisse der ökonomischen Forschung zum Handel und zu Zöllen ist - sogar in exportorientierten Volkswirtschaften.  Die kurze Zusammenfassung der akademischen Forschung lautet: Handel ist gut, Zölle sind dagegen schlecht. Persönlich halte ich den Beitrag von John Cochrane " Trade and Immigration " für einen exzellenten Überblick über die Pros und Contras mit einem klaren Bekenntnis zum (Frei-)Handel. Die Kolumne in der NY-Times von N. Gregory Mankiw  ist ebenfalls sehr lesenswert. Dieser Blog-Beitrag ist eine Kurzzusammenfassung der dort diskutierten Ideen und Ergebnisse. Halten wir am Anfang...