Ich hatte ein angenehmes und sehr professionell vorbereitetes Interview mit Dirk Reineke von der Nordwest Zeitung zum Sparen und Vermögensaufbau. "Nachhaltiger ist es, sich einmalig von der mentalen Last zu befreien und auf positive Folgeeffekte zu setzen. Beides gehe mit dem Abotrick: Genau so wie Dienstleister, die natürlich nur bei Vertragsabschluss nach Einzugsermächtigung fragen und danach stumm kassieren, könne man sich auch selbst den zuvor ermittelten Sparbetrag auf ein zweites Konto überweisen. Das habe den Effekt, dass man ihn aus den Augen verliere und nicht immer wieder aufs Neue darüber nachdenken müsse, anlegen zu müssen, erklärt Varmaz." Lest das Interview in voller Länge!
Zum (Mehr-) Wert von Wirtschaftswissenschaften: Das ist genau die Frage, die mehrere Wissenschaftlicher untersucht haben. Im Artikel "Will Studying Economics Make You Rich? A Regression Discontinuity Analysis of the Returns to College Major.” von Zachary Bleemer und Aashish Mehta in der renommierten Zeitschrift American Economic Journal: Applied Economics, 14(2):1-22 (Paywall) gehen die Autoren der Frage, ob Menschen durch das Studium von Wirtschaftswissenschaften mehr Einkommen in ihrem Leben verdienen als sehr ähnliche Menschen, die nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben.
Die Antwort auf die Frage ist: ja, es lohnt sich. Die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften verdienen gleich zu Beginn ihrer Kariere 22000 $ (43%) mehr als ihre sehr ähnliche Kommilitonen, die nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben.
| Quelle: Die Abb. ist aus der Arbeit Bleemer/Mehta (2022) entnommen. |
Die Autoren haben eine sehr clevere Analyse durchgeführt, in der sich eine Besonderheit der US-amerikanischen Zulassung zu Universitätsprogrammen ausgenutzt haben. Dort wird bei der Zulassung zum Studium eine einheitliche Notenskala genutzt (GPA), bei der die Studierenden ab einem Notendurchschnitt (2.8, höhere Werte sind besser) zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium zugelassen werden. Wenn man den Wert nicht erreicht, ist die Wahl von Wirtschaftswissenschaften als ‘Major’ nicht möglich. Die Autoren haben sich dann die Studierenden genauer angeschaut, die den GPA gerade so geschafft haben, z.B. GPA von 2.80, und mit Studierenden verglichen, die den GPA gerade so nicht geschafft haben (z.B. GPA von 2.79). Der Unterschied an der GPA-Grenze ist minimal und für die meisten Studierenden rein zufällig passiert. Daher kann man aus statistischer Sicht davon ausgehen, dass die Zulassung bzw. Ablehnung zum “Economics Major” rein zufällig passiert; diese Zufällig erlaubt die von den Autoren durchgeführte Kausalitätsanalyse.
Neben der Tatsache, dass es sich lohnt, Wirtschaftswissenschaften zu Studierenden, finde ich die Art der empirischen Untersuchung sehr durchdacht und clever; und genau die Durchführung dieser Analysen lernen die Studierenden von Wirtschaftswissenschaften. Der Artikel ist für angehenden Ökonom*innen sehr lesenswert.
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