Skip to main content

Posts

LLM-Regulierung als Frage der Meinungsfreiheit?

Was wäre, wenn die Regulierung von Large Language Models plötzlich nicht mehr nur Technologiepolitik wäre, sondern ein Fall für die Meinungsfreiheit? Dann würde aus einer Debatte über Sicherheit, Haftung und Kontrolle sehr schnell eine Debatte über Grundrechte. Genau hier setzt das Paper von Eugene Volokh, Mark A. Lemley und Peter Henderson an. Die Autoren argumentieren, dass der Output generativer KI rechtlich als geschützte Rede verstanden werden könnte. Nicht unbedingt, weil die KI selbst Rechte hat, sondern weil ihre Entwickler:innen und vor allem ihre Nutzer:innen Rechte haben, Informationen zu empfangen und mit Hilfe der Systeme selbst zu kommunizieren. Für die USA ist das ein starker Gedanke. Für Deutschland ist er interessant, aber deutlich weniger belastbar. Was ist das ökonomische Grundproblem? Im Kern geht es um die Kontrolle von Informationsproduktion. Staaten wollen Risiken von LLMs begrenzen: Desinformation, Manipulation, Diskriminierung oder gefährliche Inhalte....

Wie investiert man in Nachhaltigkeit? Entscheidungsprozess von ESG-Investorinnen

Amel-Zadeh und Serafeim (2018)   haben eine interessante Gruppierung vorgenommen, wie Institutionen die Entscheidung treffen, in nachhaltige Anlagen (nachfolgend: ESG-Anlagen) zu investieren. ESG-Investorinnen beachten die Dimensionen Umwelt (Enviroment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) bei der Auswahl von Investments. Aus meiner Sicht lässt sich diese Gruppierung auch auf private Investorinnen übertragen.   Bei der Auswahl von ESG-Anlagen lassen sich vier Handlungsstrategien identifizieren. Die erste Strategie beingaltet die sog. Screenings, mit den eine Einschränkung des Anlageuniversums vorgenommen wird. Das Screening kann auf drei Arten erfolgen: Negatives Screening: Das Herausfiltern von unerünschten Anlagen ist vermutlich der direkteste Weg, ESG-Ziele zu erreichen. Dabei werden Anlagen aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen bzw. aussortiert, die aus bestimmten Branchen (z.B. Gambling, Tabak, Waffen) oder Regionen (z.B. Südafrika während des A...

Lohnen sich nachhaltige Investments auch in der Krise?

Die Performance von deutschen Unternehmen mit ESG-Scores im Top-Quartil hat sich im Vergleich zu einem Investment in den DAX seit Ausbruch der Corona-Pandemie positiv entwickelt. ESG-Score ist eine Kennzahl, mit der Unternehmen nach “Environment, Social and good Governance”-Kriterien (höhere Scores sind besser) bewertet werden. Abb. 1.: Performancevergleich von DAX vs. ESG-Portfolien in der Corona-Krise Die Abb. 1 stellt zwei kurzfristige Performancevergleiche seit dem 1.3.2020 dar. Das Startdatum habe ich gewählt, weil das Robert-Koch-Institut ca. in der 11. Woche mit großflächigen Corona-Tests in Deutschland begonnen hatte. Daher nehme ich an, dass den Investoren in diesem Zeitraum die ökonomische Dimension von SARS-CoV-2 bewusst wurde. Die Unternehmen sind in beiden Vergleichen in je 11 Portfolios, je nach einem Aspekt der Nachhaltigkeit, zusammengefast. In der oberen Abbildung ist die Performance vom DAX (grün) und Portfolios von Unternehmen mit ESG-Scores aus dem ob...

Warum es sinnvoll ist, Veranstaltungen mit mehr als 100 Menschen bei einer Pandemie zu untersagen

In den letzten Wochen habe Virologen und andere Experten ihre Einschätzungen der Lage treffend beschrieben und immer wieder darauf hingewiesen, warum es wichtig ist, Großveranstaltungen zu untersagen. Klassischerweise geht bei der Risikobeurteilung um die Wahrscheinlichkeit eines Risikoereignisses. Die leitende Beispielfrage soll in diesem Beitrag daher sein: ’Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, bei einer Veranstaltung mit 42000 Menschen mindestens einen infizierten Überträger unter den Besuchern zu haben?‘ Ich will die Rechnung für eine Stadt mit 580.000 Einwohnern und 58 Infizierten anstellen. Ferner kommen die Besucher aus einer zufällig gezogenen Grundgesamtheit, d.h. Infizierte besuchen nicht absichtlich die Veranstaltung.  Die Wahrscheinlichkeit, einen infizierten Träger als Veranstaltungsbesucher zu haben, lautet $P(Y\geq 1)=(1-P(Y=0))=(1-(1-\frac{i}{g})^b)=(1-(1-\frac{58}{580000})^{42000})$ (i: Anzahl Infizierter, g: Anzahl Stadteinwohner, b: Anzahl Veranstaltungsbes...

Was sind die Kosten unzureichender Diversifikation?

Alle sollen diversifizieren. Doch warum lohnt es sich eigentlich zu diversifizieren? Wird lediglich das Risiko gesenkt oder gar auch die Rendite verbessert? Wie hoch sind die Kosten unzureichender Diversifikation?  Die Kurzantworten:  Die Kosten unzureichender Diversifikation sind in Simulationsstudien im Mittel nach 10 Jahren: in Bezug auf Rendite: ca. 3% weniger Rendite pro Jahr. in Bezug auf Risiko: ca. 12% mehr Risiko pro Jahr. Oder anders gesagt: Unzureichend diversifizierte Portfolios erleiden im Schnitt alle 4 Jahre einen Verlust, während für breit diversifizierte Portfolios Verluste unwahrscheinlich sind.  in Bezug auf Sharpe-Ratio: ca. 8 mal weniger pro Jahr . Für eine reale Anlegerin auf dem deutschen Aktienmarkt gehen die Ergebnisse in die selbe Richtung.

Wie erfolgreich sind ICOs? Die Investorinnensicht.

Gerade ist der Artikel ‚ Eine empirische Analyse von Initial Coin Offerings (ICO) ‘, von dem ich der Koautor bin, in DIW-Vierteljahrsheft erschienen. Trotz vieler Jahre in der Forschung ist es noch immer ein feierlicher Moment, wenn die eigene Arbeit veröffentlicht wird. Der Begutachtungs- und Veröffentlichungsprozess dauerte ca. 15 Monate, dazu müssen wir noch die Zeit für die Analysen und das Schreiben berücksichtigen. Etwa zwei Jahre hat es insgesamt gedauert; und das ist recht schneller Prozess!  In dem Artikel beschäftigen wir uns mit der Frage, was ICO sind und wie erfolgreich die ICOs in der kurzen Frist sind. Zusammenfassend kommen wir zum Schluss, dass die ICOs, wenn sie es an eine Handelsplattform geschafft haben, im Durchschnitt eine Rendite von ca. 400% den Investorinnen, alleine am ersten Handelstag, gebracht haben. 

Datastream: Kurzeinführung in die Datenbank | Teil 1

Jede empirische Studie ist so gut wie die Daten (und Methoden), die sie nutzt. Für empirische Kapitalmarktforschung sind naturgemäß die Kapitalmarktdaten wichtig.   Datastream  gehört zu den wichtigsten Datenbanken für Kapitalmarktdaten. Sie bietet den Zugang zur Vielzahl von Wertpapieren mit historisch lange zurückreichenden Zeitreihen (wichtig für Backtests) an. In diesem Blog (eher ein Vlog) erläutre ich, wie wir auf dem schnellsten Weg wichtigsten Informationen aus Datastream beziehen können.

Teststärke in verteilungsfreien Hypothesentests

Hier finden Sie Begleitmaterial zu dem veröffentlichen Artikel ' Teststärke in verteilungsfreien Hypothesentests ' (nachfolgend Varmaz/Riebe (2019)) aus der Zeitschrift 'Wirtschaftswissenschaftliches Studium - WiSt', Heft 2-3, 2019. Es wird das Vorgehen zur Berechnung der Teststärke in Microsoft Excel™ (nachfolgend: Excel) anhand eines illustrativen Beispiels erläutert; insbesondere jedoch die Bestimmung der Teststärke in verteilungsfreien Hypothesentests basierend auf Resampling-Verfahren. Hinweis: Eine allgemeine Einführung in die theoretischen Grundlagen zur Bestimmung der Teststärke ist nicht Bestandteil dieses Blog-Beitrags.