Skip to main content

Vermögensaufbau für junge Menschen

Ich hatte ein angenehmes und sehr professionell vorbereitetes Interview mit Dirk Reineke von der Nordwest Zeitung zum Sparen und Vermögensaufbau. "Nachhaltiger ist es, sich einmalig von der mentalen Last zu befreien und auf positive Folgeeffekte zu setzen. Beides gehe mit dem Abotrick: Genau so wie Dienstleister, die natürlich nur bei Vertragsabschluss nach Einzugsermächtigung fragen und danach stumm kassieren, könne man sich auch selbst den zuvor ermittelten Sparbetrag auf ein zweites Konto überweisen. Das habe den Effekt, dass man ihn aus den Augen verliere und nicht immer wieder aufs Neue darüber nachdenken müsse, anlegen zu müssen, erklärt Varmaz." Lest das Interview in voller Länge!

Wie erfolgreich sind ICOs? Die Investorinnensicht.


Gerade ist der Artikel ‚Eine empirische Analyse von Initial Coin Offerings (ICO)‘, von dem ich der Koautor bin, in DIW-Vierteljahrsheft erschienen. Trotz vieler Jahre in der Forschung ist es noch immer ein feierlicher Moment, wenn die eigene Arbeit veröffentlicht wird. Der Begutachtungs- und Veröffentlichungsprozess dauerte ca. 15 Monate, dazu müssen wir noch die Zeit für die Analysen und das Schreiben berücksichtigen. Etwa zwei Jahre hat es insgesamt gedauert; und das ist recht schneller Prozess! 

In dem Artikel beschäftigen wir uns mit der Frage, was ICO sind und wie erfolgreich die ICOs in der kurzen Frist sind. Zusammenfassend kommen wir zum Schluss, dass die ICOs, wenn sie es an eine Handelsplattform geschafft haben, im Durchschnitt eine Rendite von ca. 400% den Investorinnen, alleine am ersten Handelstag, gebracht haben. 



Was sind ICOs? Der Begriff ICO ist eine Abkürzung für Initial Coin Offering und ist in Anlehnung an IPO, Inital Public Offering ( Gang an die Börse), entstanden. Juristisch sind die ICOs nicht reguliert. Dennoch haben sie sich ohne die üblichen Beglaubigungen durch Banken, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und andere Finanzintermediäre als Finanzinstrument für Projekte aus der sog. Blockchain-Sphere etabliert. 

Der typische ICO-Prozess ähnelt einer klassischen Finanzierung, auch wenn einige Aspekte (z.B. keine Regulierung, keine Prospekthaftung, kein eigentliches Produkt, Unsicherheit über den An- und Verkauf der Tokens am Sekundärmarkt, Smart-Cotracts etc.) spezifisch für die ICOs sind.  


Abb. 1: Anzahl von ICOs
Die Anzahl der ICOs in der Zeitperiode 01/2015-01/2018, die wir im Artikel untersucht haben, ist sprunghaft im Jahr 2017 angestiegen. Diese lässt sich auch in der Abbildung ablesen, die auf den Zahlen des Artikels beruht. Ab Januar 2018 ist die Anzahl stark gesunken. Mittlerweile haben sich auch andere Formen der Kapitalbeschaffung in der Blockchain-Sphäre entwickelt, z.B. STO (‚Security Token Offering ‘) oder IEO (‚Initial Exchange Offering‘).

Tabelle 2: Entnommen aus Varmaz/Varmaz (2019): Eine empirische Analyse von Initial Coin Offerings (ICO) 


Doch wie erfolgreich waren die ICOs aus der Investorensicht? Im Durchschnitt sehr erfolgreich, wie der Blick in die Tabelle 2, entnommen aus dem Artikel nahe legt. Allerdings sollten wir beachten, dass die Vorteile der Investorinnen (Käufer) auch Nachteile der Gründerinnen (Verkäufer) darstellen. Daher weisen wir in der letzten Spalte aus, wie viel Geld die Gründer in einer statischen Sichtweise theoretisch hätten mehr verlangen können. Im letzten Abschnitt des Artikels gehen wir auch auf die dynamischen Mechanismen von wiederholenden Finanzierungen ein. Spalte ‚ICO (in Prozent). sind die einfachen Initial Returns der ICOs am ersten Handelstag und Spalte ‚Marktbereinigt‘ sind die ICO-Renditen des ersten Handelstages bereinigt um die Marktrendite der Kryptowährungen. Offenbar konnten die Investorinnen viel Geld mit den ICOs im untersuchten Zeitraum verdienen.


Tabelle 3: Entnommen aus Varmaz/Varmaz (2019): Eine empirische Analyse von Initial Coin Offerings (ICO) 

Die Tabelle 3 zeigt die Ergebnisse für die einfachen Mittelwerte der abnormalen Renditen (CAR)  (CAAR) und einfache Mediane (CMAR) der abnormalen Renditen für die ersten 10 Handelstagen. Im weiteren Verlauf des Artikels untersuchen wir mehr als die ersten 10 Tage. Die Ergebnisse deuten eine Absenkung der abnormalen Renditen im Durchschnitt an, aber diese bleiben dennoch sehr hoch, da sie sich um Tagesrenditen (und nicht etwa um Jahresrenditen) handelt. Allerdings zeigt der deutlich geringere Median an, dass die Durchschnitte durch außergewöhnlich hohe Renditen einzelner ICOs nach oben verschoben sind. Ferner sind nicht alle ICOs erfolgreich, da das 25%-Perzentil -16,87% beträgt. Folglich haben 25% der ICOs weniger als -16,78% (pro Tag!) den Investorinnen gebracht. 

Dennoch sind die abnormalen Renditen im Durchschnitt sehr hoch, gerade im Verglich zu den abnormalen Renditen der Aktien bei dem Gang an die Börse (‚IPO‘). Die akademisch interessante Frage an dieser Stelle ist, warum sind die Gewinne so hoch? War das einfach nur eine Blase? War es wegen der fehlenden Regulierung? War es aufgrund der starken Asymmetrie zwischen den Gründerinnen und Investorinnen? Auf diese Fragen gehen wir im letzten Abschnitt des Artikels ein. Aufgrund fehlender Daten können wir jedoch kein abschließendes Urteil bilden. 

Wir sind gerade dabei, die Datenbasis zu erweitern und möglichst viele ICO-Aspekte zu berücksichtigen. Letztlich wollen wir neben den genannten Fragen auch untersuchen,  wovon der Erfolg eines ICOs (aus Investorinnensicht) abhängt. 



Comments

Popular posts from this blog

Links, bunt gemischt, 12.4.18

Links, unsortiert, zu verschiedenen Themen Offizielle Privilegien für Polizeigewerkschafter in New York , es gibt tatsächlich Raus-Aus-Dem-Gefängnis-Karten. Ökonomie der Kunstgalerie , wie kommen die Preise von Gemälden zustande. Oder gibt es gar eine einfache Formel  für die Preisfestsetzung? Ökonometriker haben sich auch darüber Gedanken gemacht. William Greene hat den Preis in Beziehung zur Größe des Gemäldes durch eine einfache Regression und eine  multiple Regression  gesetzt.  Washington Post zur  The truth about medical bankruptcies  in den USA. In Europa kennen wir das Phänomen nicht, weil wir alle krankenversichert sind. Meinung zur Strategie der EU über die Regulierung der KI Meine geschätzte Kollegin Mechthild Schrooten zum Verkauf der NordLB

KI, Chatbots, ChatGPT: Wie ist die Zukunft des Lernens?

Ich bin heute Abend Gastredner im Rotary-Club Bremen Bürgerweide und werde über die aktuellen Entwicklung von LLMs, insbesondere ChatGPT, berichten.  Mein persönlicher Fokus ist der Einsatz von ChatGPT in der Bildung: Wie können wir KI im Studium so einsetzen, dass das breite Spektrum der Studierenden davon profitiert? Ich bin sehr auf die Diskussion gespannt!

Gründungswochenende @HSB

  Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit am Gründungswochenende@HSB als Coach teilzunehmen. Ich bin immer noch begeistert vom Team bei FreiRAUM@HSB. Einerseits die absolut professionelle Organisation und das Matchen unterschiedlicher Charaktere sowohl bei den Studierenden als auch bei den Coaches.  Meine Aufgabe als Coach war es, bei zwei interessanten Projekten kritische Fragen zu stellen. Das erste Projekt hatte eine Lösung von Problemen im öffentlichen Nahverkehr für die Menschen mit Mobilitätsbehinderung spezialisiert. Damit waren nicht nur die Menschen gemeint, die auf einen Rollstuhl angewiesen waren, sondern auch beispielsweise ältere Personen, für die die Stufe zum Einstieg in den Bus eine Herausforderung darstellte. Es war eine technische Idee mit einem Luftkissen. Ich hatte das Gefühl, dass die (jungen) Studierenden sich sehr viel Gedanken über das Produkt gemacht haben, aber noch nicht über die Marktstruktur im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland.  Das zw...