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LLM-Regulierung als Frage der Meinungsfreiheit?

Was wäre, wenn die Regulierung von Large Language Models plötzlich nicht mehr nur Technologiepolitik wäre, sondern ein Fall für die Meinungsfreiheit? Dann würde aus einer Debatte über Sicherheit, Haftung und Kontrolle sehr schnell eine Debatte über Grundrechte. Genau hier setzt das Paper von Eugene Volokh, Mark A. Lemley und Peter Henderson an. Die Autoren argumentieren, dass der Output generativer KI rechtlich als geschützte Rede verstanden werden könnte. Nicht unbedingt, weil die KI selbst Rechte hat, sondern weil ihre Entwickler:innen und vor allem ihre Nutzer:innen Rechte haben, Informationen zu empfangen und mit Hilfe der Systeme selbst zu kommunizieren. Für die USA ist das ein starker Gedanke. Für Deutschland ist er interessant, aber deutlich weniger belastbar. Was ist das ökonomische Grundproblem? Im Kern geht es um die Kontrolle von Informationsproduktion. Staaten wollen Risiken von LLMs begrenzen: Desinformation, Manipulation, Diskriminierung oder gefährliche Inhalte....

Teststärke in verteilungsfreien Hypothesentests

Hier finden Sie Begleitmaterial zu dem veröffentlichen Artikel ' Teststärke in verteilungsfreien Hypothesentests ' (nachfolgend Varmaz/Riebe (2019)) aus der Zeitschrift 'Wirtschaftswissenschaftliches Studium - WiSt', Heft 2-3, 2019. Es wird das Vorgehen zur Berechnung der Teststärke in Microsoft Excel™ (nachfolgend: Excel) anhand eines illustrativen Beispiels erläutert; insbesondere jedoch die Bestimmung der Teststärke in verteilungsfreien Hypothesentests basierend auf Resampling-Verfahren. Hinweis: Eine allgemeine Einführung in die theoretischen Grundlagen zur Bestimmung der Teststärke ist nicht Bestandteil dieses Blog-Beitrags. 

Zinsen, Zinsstruktur, BIP-Wachstum und der Aktienmarkt

In einem früheren Blog  habe ich einige empirische Beobachtungen über den Zusammenhang zwischen Zinsstrukturkurve und Rezessionen beschrieben. Damals war ich selbst überrascht, wie gut die Faustregel ‚Negative Zinsstrukturkurve = Rezession‘ funktioniert. Selbst die US-amerikanische FED hat eine Studie  zum Zusammenhang zwischen der Inversion der Zinsstrukturkurve und dem Auftreten von Rezessionen veröffentlicht. In der Zwischenzeit habe ich ein wenig mehr darüber gelesen und weitere empirische Analysen durchgeführt. Die Beschreibung der Ergebnisse ist Gegenstand dieses Updates zu Zinsen, BIP und Aktienrenditen. Die Entwicklung der Zinsen über die Zeit Die Zinsstrukturkurve ist eine einfache Abbildung, in der die Zinsen (präziser: Effektivzinsen bzw. Yield-To-Maturity) gegen die Restlaufzeit von Anleihen einer Emittentin dargestellt wird. Typischerweise ist in den Nachrichten, in der Tagespresse und in Lehrbüchern die Zinsstruktur von Staatsanleihen gemeint, wenn über die...

Wie hoch ist das Diversifikationspotenzial von Aktienportfolios?

In letzter Zeit habe ich empirische Analysen zum Thema Diversifikationspotenzial von Aktienportfolios durchgeführt. Die Höhe des Diversifikationspotenzials erscheint mir vor allem für das Risikomanagement wichtig. In Zeiten mit hohem Diversifikationspotenzial lässt sich eine Risikosenkung relativ einfach und ohne Derivate erreichen. Dagegen könnte eine Risikosenkung in Zeiten mit niedrigem Diversifikationspotenzial vermutlich nur durch den Kauf von Derivaten erreicht werden. Aus der Sicht von Ökonomen und Finanzwirten stellt sich die Sache relativ einfach dar. Das Diversifikationspotenzial sollte in 'normalen' Zeiten höher als in Krisenzeiten sein. In Krisenzeiten tendieren alle Wertpapiere am Wert zu verlieren. Wenn sich alle Preise in eine Richtung bewegen, kann eine Diversifikation eben nicht erreicht werden, die davon ausgeht, dass sich die Verluste und Gewinne von Wertpapieren ausgleichen. Doch wie sieht der tatsächliche Verlauf des Diversifikationspotenzials aus?

Sphere of Influence

Im laufenden Semester bin ich Gastprofessor (Adjunct Professor) in Cincinnati, OH, USA . Die Stadt ist fabelhaft und meiner Meinung nach definitiv einen Besuch wert. Über die Uni hatte ich die Gelegenheit, (wieder einmal) einen Vortrag von Stephen Kotkin von der Princeton University zu besuchen. Das Generalthema des Vortrages war 'sphere of influence'. Dem Inhalt seines Vortrages stimme ich absolut zu. Neben vielen interessanten Einsichten und sehr, sehr viel Detailwissen haben mich am meisten die folgenden Punkte bewegt: Allen geht es gut, aber alle klagen. Das scheint ein weiterverbreitetes Phänomen in den entwickelten Industrienationen zu sein. Warum ist so? Kotkin diskutiert diesen Punkt lange und bietet mehrere Thesen an; u.a. schlägt er auch vor, dass es vielleicht nicht allen gut geht. Er bringt das persönliche Beispiel seines Vaters an, der ohne Uni-Ausbildung und als Arbeiter sich ein Haus leisten konnte. Nach Kotkin ist derartiges heute in den USA nicht mehr mögl...

Links, bunt gemisch, 20.07.2018

Links, unsortiert, zu verschiedenen Themen Global debt and equilibrium interest rates . Werden die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben? Joseph Stiglitz über den Euro: Can the Euro be saved? Geld und Liebe : Eine empirische Untersuchung. Eine sehr nüchterne, ökonomische Analyse der Partnerauswahl bei der Heirat. Sehr lesenswert, da der Beitrag auch von der Verteilung von (Erb-) Vermögen handelt. CIVIL : Ein ICO will mit neuen Ideen zur Berichtserstattung den Journalismus ändern. Korruption in Fußball . Eine sehr gelungene ökonometrische Analyse.

Wie können Organisationen Entscheidungen richtig treffen? Daniel Kahneman, Entscheidungsanomalien und Noise

Daniel Kahneman hat für seine bahnbrechenden Arbeiten über die Entscheidungsanomalien   (‚Biases‘) den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. In seinen Arbeiten hat er sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie sich die Menschen tatsächlich in Entscheidungssituationen verhalten. Sein Themengebiet sind 'Behavioral Economics', also 'Verhaltensökonomik'. Dabei hat er festgestellt, dass fast alle Menschen sich nicht so verhalten, wie es die klassische ökonomische Theorie annimmt. Wir lassen uns alle sehr leicht beeinflussen, etwa durch Werbung. Wir treffen nicht konsistente Entscheidungen, z.B. viele Befragte finden 90% Beschäftigungsquote besser als 10% Arbeitslosenquote. Wichtige Reflexe in der Frühzeit der Menschheit verführen uns heute, falsche Entscheidungen vor allem in Bezug auf Geldfragen zu treffen. Beispielsweise blenden viele Menschen die Risiken aus, wenn hohe Renditen versprochen werden (‚Gier frisst Hirn‘). Eine exzellente E...

Mehr Jüngere = höhere Aktienkurse?

In letzter Zeit forsche ich wieder verstärkt im Bereich Asset Pricing. Bei der Lektüre der (makroökonomischen) Marktmodelle habe ich häufiger Arbeiten über Lebenszyklusmodelle gelesen. Bei den Volkwirten sind die Lebenszyklusmodelle beliebt, weil sie eine dynamische Modellierung einer Ökonomie mit mehreren Generationen erlauben. Ein Teil dieser Modelle bezieht sich auf das Sparverhalten der Individuen. Nach einem zentralen Ergebnis dieser Modelle sparen die Individuen in ihrem jeweiligen mittleren Alter, um im Alter (in der Rente) zu konsumieren.  Es liegt nahe, den Gedanken des Sparens in Bezug auf den Aktienmarkt zu setzen. Damit ist (scheinbar) ein Link zwischen der demografischen Struktur eines Landes und der Entwicklung des jeweiligen Aktienmarktes gegeben, wie es z.B. Amid Goya l beschreibt. Für eine hervorragende, kritische Literaturübersicht verweise ich auf die Arbeit von Zheng Liu und Mark Spiegel . In einer Volkswirtschaft mit vergleichsweise vielen Mid-Agers (Pe...