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Showing posts from September, 2025

Kaisalität ≠ Variation: Warum Kausalität nicht automatisch Relevanz bedeutet

In der empirischen Ökonomie ist eine „saubere Identifikation“ oft maßgebend: Instrumentalvariablen, Difference-in-Differences, Randomized Controlled Trials. Das ist gut und wichtig, aber nur weil ein Effekt kausal ist, erklärt er noch nicht viel von der beobachteten Variation. Viele identifizierte Effekte sind real, aber klein im Vergleich zu den großen Bewegungen in Beschäftigung, Einkommen oder Aktienkursen. Das Lehrstück Saubere Kausalität isoliert exogene aber häufig sehr geringe, Schwankungen (z. B. über Instrumente, Fixed Effects, Grenzfälle). Das liefert eine glaubwürdige Ursache-Wirkung-Aussage, aber der Preis ist, dass wir viel Variation wegwerfen. Ergebnis: Der Effekt ist kausal richtig, erklärt aber oft nur einen kleinen Teil des Gesamtbilds. Genau diese Trennung von kausal und relevant ist die zentrale Pointe dieses Beitrags. Paradoxon der Kausaliät Je strenger wir Identifikation betreiben, d...

Kapitalmarkttheorien lebendig erklärt – mein Auftritt im „Bremer Börsenschnack“

Ein praxisnahes Gespräch über Portfoliotheorie, CAPM, Markteffizienz & Fama/French und was das für Anleger bedeutet. Im Podcast Bremer Börsenschnack habe ich gemeinsam mit Sascha Otto die großen Kapitalmarkttheorien diskutiert: von Markowitz’ Portfoliotheorie (1952) über das CAPM und die Markteffizienzhypothese bis hin zum Fama/French-Dreifaktorenmodell. Klingt zunächst nach Uni-Stoff, ist in Wahrheit aber hochaktuell für Anlegerinnen und Anleger: Risiko & Rendite: zwei Seiten derselben Medaille. Anomalien & Faktoren: Value, Size, Momentum & Co. helfen, Portfolios besser zu verstehen. Praxisnutzen: Wie man heute ein „gutes Portfolio“ konstruiert: diszipliniert, diversifiziert, kosteneffizient. Besonders spannend: Wie relevant diese Modelle heute noch sind und welche Konsequenzen sich daraus ganz konkret für Anlegerinnen und Anleger ergeben. Danke an Patrick Pae...

Under (Financial) Pressure – Was die NFL über Finanzmärkte lehrt

Manchmal findet man spannende ökonomische Einsichten an Orten, wo man sie nicht erwartet. Das neue Paper “Under (Financial) Pressure” von Spencer Barnes, Ted Dischman und Brandon Mendez untersucht, wie finanzielle Anreize Regeln verzerren können und zwar am Beispiel der NFL-Schiedsrichter. Die Idee Die NFL ist ein Milliardenbusiness: 2024 setzte die Liga ca. 23 Mrd. US-Dollar um. Es ist vergleichbar mit Konzernen wie Bayer und SAP. Die Forscher fragen: Beeinflusst dieser finanzielle Druck, wie Schiedsrichter Entscheidungen treffen? Das ist im Kern die gleiche Frage, die wir uns in der Finanzökonomie stellen: Begünstigen Regulatoren große, systemrelevante Player, weil zu viel Geld und Aufmerksamkeit auf dem Spiel stehen? Die Methodik: Ökonometrie im Sport Die Autoren analysieren über 13.000 Defensivstrafen aus NFL-Spielen zwischen 2015 und 2023. Besonderes Augenmerk liegt auf den Kansas City Chiefs in der Ära von Quarterback Patrick Mahomes. Warum? Weil die Chiefs ...

Was bringt eigentlich Unternehmensberatung?

Wir alle kennen das Klischee: Berater kommen ins Haus, tragen PowerPoints hinein und Entlassungen hinaus. Aber stimmt das wirklich? Ein neues NBER Working Paper (Juli 2025) von Gert Bijnens, Simon Jäger und Benjamin Schoefer liefert erstmals eine umfassende empirische Antwort: Was macht Consulting wirklich mit Unternehmen? Die Methodik – Steuerdaten als Daten-Goldmine Die Forscher nutzen eine geniale Datenquelle: alle B2B-Transaktionen in Belgien, die über die Mehrwertsteuer laufen. Damit sehen sie genau, wann und wie viel Firmen für Beratungsleistungen zahlen. Das deckt die gesamte Wirtschaft von 2002 bis 2023 ab. Es ist quasi ein CT-Scan der Consulting-Industrie. Um die Wirkung zu messen, setzen die Autoren auf ein sogenanntes Difference-in-Differences-Design mit synthetischen Kontrollfirmen. Laienhaft gesagt: Sie vergleichen Firmen, die plötzlich stark in Beratung investieren (mindestens +50.000 Euro und eine Verdreifachung gegenüber den Vorjahren), mit ähnlichen Fi...

Mieten oder Kaufen – was sagt die Wissenschaft?

„Wer mietet, wirft Geld zum Fenster raus.“ Diesen Spruch kennt jede:r. Aber stimmt er wirklich? Die kurze Antwort: Es kommt darauf an. Die lange Antwort: Man muss sauber vergleichen. Und genau das ist spannender, als man denkt. Die Methode: Ein fairer Wettkampf zwischen zwei Lebenswegen Stell dir vor, du hast gerade genug Eigenkapital, um eine Wohnung zu kaufen. Ab hier stellen wir zwei Szenarien gegenüber: Kaufen: Du investierst dein Eigenkapital in die Immobilie, finanzierst den Rest über einen Kredit und zahlst monatlich Zins, Tilgung, Grundsteuer, Instandhaltung, Versicherung und ggf. Hausgeld. Nach 20 oder 25 Jahren gehört dir die Immobilie, abzüglich Verkaufsnebenkosten, falls du verkaufst. Mieten & Investieren: Du bleibst Mieter:in. Dein Eigenkapital fließt ins Depot (z. B. ETF). Außerdem investierst du jeden Monat die Differenz zwischen Eigentumskosten und Miete. Ist Mieten einmal teurer, entnimmst du entsprechend aus deinem Depot, um fair zu bleiben. S...