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ChatGPT als Messinstrument: Die Software GABRIEL

In der empirischen Forschung gibt es ein klassisches Problem: Die meisten interessanten Daten sind qualitativ, nicht quantitativ.  Reden von Politikern, Geschäftsberichte, Social-Media-Posts, Zeitungsartikel oder historische Dokumente enthalten wertvolle Informationen, aber sie lassen sich schwer in Zahlen übersetzen. Genau hier setzt ein neues Forschungsprojekt an, das im Februar 2026 als NBER Working Paper erschienen ist: „GPT as a Measurement Tool“ von Hemanth Asirvatham, Elliott Mokski und Andrei Shleifer. Die Autoren stellen darin eine Software vor, die dieses Problem lösen soll: GABRIEL. Die Grundidee ist überraschend einfach. Large Language Models wie GPT können Texte verstehen, ähnlich wie ein Mensch. Wenn man sie gezielt einsetzt, können sie daher qualitative Informationen systematisch bewerten und quantifizieren. Zum Beispiel: • Wie innovationsfreundlich ist eine politische Rede? • Wie toxisch ist ein Social-Media-Kommentar? • Wie technisch komplex ist eine neue Tec...

Will die EU Zahlungen für Blut-, Sperma- und (Brust-)Milich-Spenden streichen?

Die EU befindet sich gerade in der Endphase der Verabschiedung einer neuen Regulierung. Auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches, doch inhaltlich bedeutet sie, dass keine finanziellen Anreize an Spender*innen von Blut, Sperma, Brustmilch und anderen Substanzen menschlichen Ursprungs gezahlt werden. Die Begründung dafür wirkt, insbesondere aus ökonomischer Sicht, recht kurzsichtig:

"MEPs insist that donations of those substances must always be voluntary and unpaid, with donors able to receive compensation or reimbursement for losses or expenses incurred during the donation process. They stress that compensation should not be used as an incentive to recruit donors, nor lead to the exploitation of vulnerable people." [Hervorhebung durch mich]

In Anlehnung an diese Argumentation könnte man behaupten, dass Polizisten ein deutlich geringeres Gehalt als den Mindestlohn erhalten sollten. Dies, um sicherzustellen, dass niemand aufgrund von finanziellen Nöten diesen Beruf ergreift. Oder warum nicht generell den Verkauf von Arbeitskraft an Unternehmen unterbinden, um Arbeitnehmer*innen vor Ausbeutung zu schützen?

Weniger zugespitzt ausgedrückt: Die EU täte gut daran, die Situation in Mitgliedsstaaten, in denen für Spenden gezahlt wird – wie etwa Deutschland, Österreich oder Tschechien –, mit jenen zu vergleichen, in denen keine Zahlungen erfolgen. Wo ist die Spendebereitschaft höher? Wo herrscht ein Mangel an Blutspenden?

Die Vergütung von Spender*innen von Blut, Sperma und Brustmilch kann nicht nur ethisch vertreten werden, sie kann auch dazu beitragen, das Spendenaufkommen zu erhöhen. Wichtig ist dabei, sicherzustellen, dass diese Spenden von hoher Qualität sind und sicher erfolgen.

Es ist wahr, dass nicht nur die Quantität der Spenden entscheidend ist. Doch in diesem Kontext kann eine höhere Quantität durchaus zu verbesserter Qualität führen.


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Riesiger Datenschatz: „Fredde Mac Single Familiy Dataset“!

Aktuell arbeite ich mit Begeisterung am ' Fredde Mac Single Family Dataset ', einem wahren Datenschatz. Diesen entdeckte ich zufällig während der Begutachtung eines Konferenzbeitrags – zu meiner großen Überraschung. Freddie Mac stellt diesen Datensatz zur Verfügung, weil die Aufsichtsbehörde (Federal Housing Finance Agency - FHFA) es so will. Das Ziel? Mehr Transparenz schaffen und Investoren helfen, bessere Modelle für Kreditgeschäfte zu entwickeln. Ein großes Dankeschön an die Behörde dafür!