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LLM-Regulierung als Frage der Meinungsfreiheit?

Was wäre, wenn die Regulierung von Large Language Models plötzlich nicht mehr nur Technologiepolitik wäre, sondern ein Fall für die Meinungsfreiheit? Dann würde aus einer Debatte über Sicherheit, Haftung und Kontrolle sehr schnell eine Debatte über Grundrechte. Genau hier setzt das Paper von Eugene Volokh, Mark A. Lemley und Peter Henderson an. Die Autoren argumentieren, dass der Output generativer KI rechtlich als geschützte Rede verstanden werden könnte. Nicht unbedingt, weil die KI selbst Rechte hat, sondern weil ihre Entwickler:innen und vor allem ihre Nutzer:innen Rechte haben, Informationen zu empfangen und mit Hilfe der Systeme selbst zu kommunizieren. Für die USA ist das ein starker Gedanke. Für Deutschland ist er interessant, aber deutlich weniger belastbar. Was ist das ökonomische Grundproblem? Im Kern geht es um die Kontrolle von Informationsproduktion. Staaten wollen Risiken von LLMs begrenzen: Desinformation, Manipulation, Diskriminierung oder gefährliche Inhalte....

Verfügbarkeit von Informationen und Endowment-Effekt

Eine nahliegende Idee für die Auflösung des Endowment-Effektes könnte in der Informationsverfügbarkeit liegen. Käuferinnen und Verkäuferinnen haben unterschiedlichen Zugang zu Informationen und bewerten daher die Produkte unterschiedlich. 


Eine größere Zugänglichkeit zu (relevanten) Information kann die Bewertung von Produkten in zwei Weisen beeinflussen und somit das Bewusstsein oder die Gewichtung der Information beeinflussen. Erstens kann es ändern, welche Informationen den Menschen zum Zeitpunkt der Bewertung bewusst sind oder ignoriert werden. Käuferinnen einer Immobilie denken vielleicht häufiger an ihr altes Dach, an das die Verkäuferinnen vielleicht nicht denken. Zweitens können Menschen während der Bewertung dieselben Informationen kennen, diese aber aufgrund von Unterschieden in ihrer Zugänglichkeit unterschiedlich gewichten. Käufer und Verkäufer einer Immobilie könnten sich beide des alten Dachs bewusst sein, aber diese Information könnte für Käufer zugänglicher sein und daher in ihrer Bewertung stärker gewichtet werden. 

Die meisten wissenschaftlichen Belege deuten darauf hin, dass die Zugänglichkeit die Informationen ändert, derer sich Käufer und Verkäufer bewusst sind oder die sie ignorieren, und nicht darauf, wie sie Informationen gewichten. Käufer und Verkäufer erkennen und erinnern sich eher an relevante Informationen als an nicht relevante Informationen [z.B. hier].  Darüber hinaus erhöht das Zugänglichmachen von relavanten Informationen nicht deren Einfluss auf die Bewertung. Das Auffordern von Käufern und Verkäufern, über relevante Informationen nachzudenken, ändert die Lücke zwischen Willigness-To-Pay (WTP) und Willigness-to-Accept (WTA) nicht [z.B. hier, hier]. 

WTP-WTA-Lücken erhöhen sich sogar mit der Zeit, die Forschungsteilnehmenden gegeben wird, bevor sie Lotteriebewertungen vornehmen [hier]. Dies scheint einer einfachen Erklärung zu widersprechen, nach der WTP-WTA-Lücken abnehmen sollten, wenn die Menschen mehr Zeit haben, alle Auszahlungen (=Informationen) zu berücksichtigen.

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Riesiger Datenschatz: „Fredde Mac Single Familiy Dataset“!

Aktuell arbeite ich mit Begeisterung am ' Fredde Mac Single Family Dataset ', einem wahren Datenschatz. Diesen entdeckte ich zufällig während der Begutachtung eines Konferenzbeitrags – zu meiner großen Überraschung. Freddie Mac stellt diesen Datensatz zur Verfügung, weil die Aufsichtsbehörde (Federal Housing Finance Agency - FHFA) es so will. Das Ziel? Mehr Transparenz schaffen und Investoren helfen, bessere Modelle für Kreditgeschäfte zu entwickeln. Ein großes Dankeschön an die Behörde dafür!