In der empirischen Ökonomie ist eine „saubere Identifikation“ oft maßgebend: Instrumentalvariablen, Difference-in-Differences, Randomized Controlled Trials. Das ist gut und wichtig, aber nur weil ein Effekt kausal ist, erklärt er noch nicht viel von der beobachteten Variation. Viele identifizierte Effekte sind real, aber klein im Vergleich zu den großen Bewegungen in Beschäftigung, Einkommen oder Aktienkursen. Das Lehrstück Saubere Kausalität isoliert exogene aber häufig sehr geringe, Schwankungen (z. B. über Instrumente, Fixed Effects, Grenzfälle). Das liefert eine glaubwürdige Ursache-Wirkung-Aussage, aber der Preis ist, dass wir viel Variation wegwerfen. Ergebnis: Der Effekt ist kausal richtig, erklärt aber oft nur einen kleinen Teil des Gesamtbilds. Genau diese Trennung von kausal und relevant ist die zentrale Pointe dieses Beitrags. Paradoxon der Kausaliät Je strenger wir Identifikation betreiben, d...
Die Performance von deutschen Unternehmen mit ESG-Scores im Top-Quartil hat sich im Vergleich zu einem Investment in den DAX seit Ausbruch der Corona-Pandemie positiv entwickelt. ESG-Score ist eine Kennzahl, mit der Unternehmen nach “Environment, Social and good Governance”-Kriterien (höhere Scores sind besser) bewertet werden. Abb. 1.: Performancevergleich von DAX vs. ESG-Portfolien in der Corona-Krise Die Abb. 1 stellt zwei kurzfristige Performancevergleiche seit dem 1.3.2020 dar. Das Startdatum habe ich gewählt, weil das Robert-Koch-Institut ca. in der 11. Woche mit großflächigen Corona-Tests in Deutschland begonnen hatte. Daher nehme ich an, dass den Investoren in diesem Zeitraum die ökonomische Dimension von SARS-CoV-2 bewusst wurde. Die Unternehmen sind in beiden Vergleichen in je 11 Portfolios, je nach einem Aspekt der Nachhaltigkeit, zusammengefast. In der oberen Abbildung ist die Performance vom DAX (grün) und Portfolios von Unternehmen mit ESG-Scores aus dem ob...